12. Juli 2020 – Erwitte und Anröchte

Lukas 5, 1-11

Der Fischzug des Petrus

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth
(2)und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
(3)Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
(4)Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
(5)Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
(6)Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen.
(7)Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so daß sie fast sanken.
(8)Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir!  Ich bin ein sündiger Mensch.
(9)Denn ein Schrecken hatte ihn erfaßt und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
(10)ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
(11)Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Liebe Gemeinde,

wenn ich jemandem zum Geburtstag gratuliere, dann ganz oft auch mit den Worten: Und ich wünsche dir, dass du immer etwas hast, worauf du dich freuen kannst. Und ich finde das wichtig, wichtig, etwas zu haben, worauf man sich freuen kann. Denn sonst wäre Leben doch Stillstand. Mehr noch. Beinahe schon Aufgabe oder Resignation..

Weil das doch hier eigentlich noch nicht alles gewesen ein kann. Noch nicht der Endzustand der Welt und unseres Lebens ist und sein darf. Weil Leben mehr ist und sein muss als nur Überleben. Und auch, weil man sich doch nicht mit allem zufrieden geben muss, nur weil es mal gerade funktioniert.

Das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Und damit ist mehr gemeint, viel mehr als nur die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen das Corona-Virus – und gegen die 15 anderen Viren, die höchstwahrscheinlich auch noch kommen werden. Das ist viel mehr als nur als nur die Erwartung der nächsten kleinen Lockerung oder sogar das Ende der Corona-Zeit. Das auch, ja, natürlich. Aber, so merkwürdig das gerade jetzt in dieser Zeit klingen mag, irgendwie doch zu wenig, denn danach wäre es doch auch bloß wie vorher.

Nein, ich finde, das kann noch nicht alles gewesen sein. Wenn der liebe Gott uns einen neuen Himmel und eine neue Erde versprochen hat, wenn das Licht der Welt und das Brot des Lebens keine leeren Floskeln sein sollen, dann muss da noch mehr sein. Dann muss da mehr drin sein für uns.

Und damit sind wir mitten drin in der Geschichte von diesem Petrus und dem Fischfang.

Die Geschichte von einem Mann, der so was von alltäglich war, dass man ihn höchstwahrscheinlich übersehen hätte. Ein Mann, der immer genau das tat, was alle von ihm erwarteten. Aber weitere Ambitionen oder Ziele oder Träume? Fehlanzeige. Der war wie er war, und er funktionierte anscheinend. Also genau so was von banal und normal und mittelmäßig wie wir das oft sind. Oder sogar zu oft. Oder immer. Wir nennen das dann Zufriedenheit. Aber besser nicht dran kratzen. Damit man nicht merkt, dass man langsam aber sicher den Tod am Brot allein stirbt.

Und dieser Mann und sein Leben, die werden in einer Art und Weise auf den Kopf gestellt und verändert, wie man es kaum für möglich hält. Mit einer Geschichte, die uns erzählt: Man muss nicht immer die so genannten Sachzwänge – in diesem Fall: man fischt nicht am Tage, da fängt man nichts – für allmächtig halten und ihnen gehorchen. Sondern man kann auch mal was anderes oder auch das Unerwartete oder meinetwegen auch mal was Verrücktes tun. Und auf einmal tut sich was. Es wird neu und anders.

Und wenn ihr an das denkt, was danach aus diesem Petrus und diesen winzig kleinen Anfängen am See Genezareth, was  dann daraus geworden ist, sogar durch alle Niederlagen und alles Versagen hindurch, so, dass noch bis heute unzählige von diesem Menschenfischer zehren, reizt das nicht wenigstens, unter dem ganzen Staub des Lebens und dem Müll der Jahre mal nachzuschauen: Was schlummert da noch, und was könnte auch jetzt aus mir und meinem Leben noch werden? Oder anders: Ich könnte doch auch mal mein Netz auswerfe, mein Netz nach dem Leben auszuwerfen, mal sehen, was sich da so alles einfangen lässt. Und ich finde übrigens auch, das muss man bei einer Gottesdienstgemeinde heutzutage ja sagen, das ist keine Frage des Alters. Ich habe die 70 ja jetzt auch hinter mir, ich darf das sagen. Auf dem Friedhof, und ich schließe mich damit ein, auf dem Friedhof wird es lang und friedlich und ruhig genug. Gut, dass unser Herr uns da noch nicht haben will. Also, was geht?

Und, was passiert? 3 Bremsen, oder meinetwegen auch 3 Stoppschilder.

Zum ersten natürlich: „Ob das wohl gut geht? Das kann ja nur schiefgehen. Und hier weißt du doch, was du hast. Mach dich doch nicht unglücklich.“ Wobei das ja eben nicht heißt: „Bleib doch lieber glücklich.“ Und ich selbst, ich bin ja genauso, aber ich finde, da lacht einen diese Geschichte förmlich aus: „Traut Ihr dem Herrn da so wenig zu? Ihr seht und lest doch, dass man mit ihm Riesenfänge machen kann, über Mauern springen, Berge versetzten. Und warum soll das schiefgehen? Sich von ihm einfangen zu lassen? Und außerdem, sein Netz, das bringt euch doch eben gerade nicht in die Fischfabrik oder ins Schlachthaus von Herrn Tönjes und Konsorten Im Gegenteil, sein Netz das rettet euch vor dem Tod und all seinen Helfern, und das trägt und hält euch in allen Wechselfällen diese Lebens. Und darüber hinaus. Denn das reißt nicht mal, ihr habe es gehört.

Und dann sind wir fast so weit, uns da einfangen zu lassen und auch unser Netz nach dem Leben auszuwerfen, auf einmal ist da die zweite Bremse. Und – man hat ja unser Selbstbewusstsein oft genug zertrampelt – dann sagen wir entweder: Ich würde, wenn ich wüsste, wie es wäre, wenn ichs täte.. . Also, wir trauen uns nichts mehr zu. Oder wir sagen es ganz klassisch wie Petrus: „Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch.“ Was bei uns meist heißt: „Also dafür tauge ich nicht. Ich schaffe das nie. Dafür bin ich ein viel zu kleines Licht. Ich trau mich nicht.“ Und Jesus sagt: „Fürchte dich nicht. Los. Komm einfach mit.“ Und dann geht das los, ins neue und weite Land. So einfach ist das. Siehe Petrus.

Aber, dann ist da ja heutzutage noch diese dritte Bremse, die, die unser Leben so was von radikal gestoppt und eingesperrt hat, die Pandemie. Was soll man sich da schon trauen? In solchen Zeiten?

Ehrlich, eine ganze Menge. Denn man kann ja natürlich auf ein Ende dieser Zeit warten und brav im Kämmerchen darauf hoffen. Man kann das aber auch als tolle Möglichkeit sehen, den Aufbruch zu probieren. Mal auszuprobieren, was trotzdem alles möglich ist, welche Türen sich auftun, welche Menschen man – wenn auch auf Abstand – ganz neu und anders kennenlernt. Das wäre doch reizvoll unter Beachtung aller Einschränkungen trotzdem mal auszuprobieren, was so alles geht. Und da geht eine Menge. Und was man alles machen kann.

Natürlich erstmal diesen „Geiz-ist-geil-Gedanken“, die Anbetung von Exportzahlen vor allem nach China, die „Billig-Einflüsterer (schreckliche Frauenstimmen, wie ich finde) und nicht zuletzt die tierquälende Fleischproduktion aus dem Kopf zu kriegen. Und aus dem Land. Und einen unfähigen Verkehrsminister und eine peinliche Landwirtschafts-ministerin dazu. (Gönnen wir ihnen die stressfreie Zeit danach.) Das im Großen, und wir können jetzt schon anfangen, Strategien dafür zu entwickeln.

Und im Kleinen geht doch auch so einiges, und sie wissen, ich habe einen Hang zu solchen Beispielen. Kleinen Beispielen: Unser Abendkreis hat sich in den Kurpark aufgemacht, immer schön zu zweit aber mit Kaffee von der Crepe-Bude dort. Ein paar andere haben Hotlines aufgebaut und manche sogar WhatsApp gelernt. Und wieder andere haben gelernt, dass gerade diese Zeit die netten Leute noch netter und die Blöden noch blöder gemacht hat. Das lässt doch hoffen für die Zeit danach. Der Gesprächskreis hat sich sehen lassen ohne zu gefährden, und der Posaunenchor hat nicht gewartet, sondern ist selbst aktiv geworden, siehe heute. Also, was geht alles noch, jetzt schon und danach um so mehr? Auch persönlich.

Ich habe am Anfang dieser Zeit mal gesagt: Es gibt Leute, die rechnen immer mit dem Schlimmsten. Und sie erfahren oder erleiden dann mindestens das zweitschlimmste. Also rechne ich doch lieber mit dem Besten. Und mit dem einen, von dem ich sage: „Nur auf sein Wort hin will ich die Netze nach dem Leben auswerfen.

Amen.

1. September – Erwitte und Anröchte

Galater 2, 16-21

Doch weil wir wissen, daß der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.
(17)Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne!
(18)Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.
(19)Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt.
(20)Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.
(21)Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

Liebe Gemeinde,

welcher „Rote-Ampel-Typ“ sind Sie? Also, stellen Sie sich vor, Sie kommen als Fußgänger oder Fußgängerin an eine rote Ampel, kein Auto da, kein Auto zu sehen. Wie verhalten Sie sich?
a. Sie warten – natürlich, selbstverständlich – auf Grün.
b. Sie schauen vielleicht noch mal nach rechts und links, kein Auto in Sicht, also los, es wird schon nichts passieren.
c. Sie warten, aber nur, wenn Kinder dabei oder in der Nähe sind.

Bitte das Ganze jetzt nur als Beispiel, könnte sonst auch gefährlich werden. Für Leib und Leben, oder auch für das Portemonnaie. Rot ist nicht nur die Farbe der Liebe, kann auch der Auslöser für Bußgeld und Punkte sein. Auf der anderen Seite, gerade diese Erwitter Kreuzung hier, da hat man ja so manches Mal das Gefühl, dass die Rente schneller kommt als das Grün.

Und übrigens, wenn man hinterm Steuer sitzt, dann sieht das Ganze schon wieder ganz anders aus. Da ist man in der Regel viel vorsichtiger und gesetzeskonformer. Meist. Wobei es allerdings ein Trugschluss wäre zu behaupten, dass das Auto die Leute zu besseren Menschen macht.

Aber und also, bleiben wir mal bei den Fußgängern. Denn, es geht im Predigttext, es geht in diesen Sätzen des Apostels um Rechtfertigung und die sogenannte Rechtfertigungslehre. Hohe Theologie also. Wobei es in diesem Fall um einen Streit geht, der die ersten Gemeinden damalsin diverse Ampeltypen zu spalten oder zu zerreißen drohte. Und da gab es eben verschiedene „Rote-Ampel-Typen“, und das Bild vom Fußgänger kann beim Verständnis helfen.

Ausgangspunkt oder Kernpunkt des Streits waren die jüdischen Gesetze, also die Gebote und die Verbote des Alten Testaments. Z. B. das Einhalten bestimmter Speisevorschriften. Kein Schweinefleisch. Niemals Fleisch und Milch zusammen auf den Tisch. Damit auch kein Cordon Bleu, Schinken und Käse geht dann ja nun wirklich nicht. Oder  Sabbath-Gebote. Nichts tun, absolut nichts. Kein Fahren oder Reisen, kein Essen-Kochen, nicht mal was tun dürfen gegen Zahnschmerzen. Von der Rolle der Frau oder vom Ablehnen jeglichen Kontakts zu Andersgläubigen gar nicht erst anzufangen. Und noch eine Menge mehr Gebote und Verbote. Und da die ersten Christen z. T. auch eine jüdische Vergangenheit hatten, gab es dann bei den Christinnen und Christen im Großen und Ganzen 3 „Ampel-Typen“.
a. Die bedingungslosen Befolger oder Gehorcher, die sagten: Auch als Christinnen oder Christen habt ihr diesen religiösen roten Ampeln, diesen Gesetzen, ihr habt denen absolut und ohne Ausnahme zu gehorchen. Punkt. Sonst habt ihr keine Chance bei Gott. Sünder. Leben verpfuscht. Das Heil verwirkt.
b. Die – so nenne ich sie mal – Gesetzlosen oder Anarchisten, und die sagten: Wieso? Christus hat uns von den Gesetzen befreit. Christus hat uns bedingungslos angenommen. Auch als Sünder, auch als die, die immer wieder gegen die Gebote verstoßen haben und verstoßen. Also, Gesetze hin, Gesetze her, vor Gott können wir sowieso aus eigener Kraft nicht bestehen. Und wenn er uns ohne eigenes Verdienst gerecht spricht, dann hat er uns von allen Zwängen befreit. Also was sollen dann noch die Ampeln oder Gesetze?
c. Die Kompromiss-Typen: Ja, Christus hat uns befreit. Aber mit dieser Freiheit sollen wir so umgehen, dass andere dabei keinen Schaden nehmen. Das ist der, der an der Ampel Rücksicht nimmt auf Kinder.

Doch bevor ich jetzt den Apostel Paulus einer dieser Gruppen zuordne, erst einmal oder noch einmal grundsätzlich zur Rechtfertigungslehre. Denn darum – seit der Reformation – geht es zentral, immer wieder, auch für uns. Und gerade in Zeiten wie diesen, wo es unendlich wichtig ist, sich daran zu erinnern und es rauszustellen. Auch rauszustellen, denn das hat damit zu tunwie gut unser Glaube ist und tun kann. Wie wichtig er für das Leben ist, soll das keine Löwengrube werden.

Als die Apostel damals in alle Welt gingen, um das Evangelium zu predigen, um die Menschen für Jesus zu begeistern und sie zu taufen, denken Sie an den Taufbefehl, da redeten sie natürlich auch von Gott. Doch viel zu oft, wenn das Wort Gott fiel, da zuckten die Menschen zusammen. Denn sie hatten Angst. Vor Gott musste man sich fürchten. Was anderes kannten sie nicht.

Sie mussten dran glauben, diese Doppeldeutigkeit, die kann man da durchaus ansetzen. Denn die Götter waren alles, die Menschen waren nichts. Die Götter waren groß und erhaben, und die Menschen ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Und die Menschen krochen im Staub, die mussten alles tun, um die Götter bei Laune zu halten, und wenn es mal gut ging, dann hatten sie halt Glück gehabt. Kismet, heißt das heute manachmal. Oder Inschallah. Wer möchte, kann da gern mal Parallelen zu heutigen großen und wie ich finde immer noch Gehorsamsreligionen ziehen. Die Götter, die waren sich selbst genug, und die Menschen, die waren für die Götter da, sonst nichts. Ihr Schicksal war egal.

Wie kann man bei Göttern, die immer nur fordern und wenig wenn überhaupt etwas geben, wie kann man da ein positives Gottesbild entwickeln? Da kann man sich nur verstecken.

Und dann hörten die Menschen von Jesus und von Gott, seinem Vater. Und wie er ihn gelebt und von ihm erzählt hat. Von einem Gott, der die Menschen gern hat, dem sie am Herzen liegen. Der für sie da sein will, sie fördern und in die Lage versetzen will, ihr eigenes Leben in Glück und Zufriedenheit zu leben. Ein Gott, der auf ihrer Seite stand, bis zum letzten Blutstropen am Kreuz solidarisch mit ihnen. Und das alles aus Güte oder Gnade. Ein Gott, der keine Leistungen forderte, sondern Liebe gab. Und Liebe stellt keine Bedingungen.

Und wenn das der Allmächtige war und dazu noch solch ein wirklich guter Hirte, dann fragten sie natürlich: Was muss ich tun, was muss ich leisten, um auch zu diesem Jesus, zu diesem Gott zu gehören, der mich hütet wie seinen Augapfel. Und die Antwort war: Tun und leisten müsst Ihr gar nichts. Braucht Euch seine Liebe nicht zu erwerben. Die ist schon da. Aber ihm vertrauen, ihm glauben, das sollt ihr. Und das ist alles. Diese Liebe und Güte einfach annehmen.

Die Befreiung von aller Selbstrechtfertigung und von aller Leistungs- und Bringeschuld Gott gegenüber. Das ist die Rechtfertigungslehre.  Ich bin nicht gut oder wertvoll oder anerkannt, weil ich so viel bin und kann und leiste, sondern, weil Gott mich groß und stark macht. Ohne mein Dazutun, auch ohne die Werke des Gesetzes.

Nach 2000 Jahren und 2000 Jahren Christentum müssten wir dann ja eigentlich von solchen Göttern und Gesetzen befreit sein. Bei den religiösen mag das sein, wer hält sich noch ans Sonntagsgebot z. B., aber das hat andere Gründe. Aber ansonsten? Götzen und Götter, Ansprüche, denen wir zu genügen haben ohne Ende. Und wenn nicht: Rote Karte, Ende mit dem Lebensberechtigungsschein.

Alt und Alter heutzutage. Will keiner sein. „Die verprassen doch nur ihre Rente.“ Außer als Erbonkel überflüssig bis unbrauchbar.

Krank, oder auch noch alt und krank. Das stört, damit will man wenig bis nichts zu tun haben. Bringen nichts und kosten auch noch.

Unsportlich oder unansehnlich. Da kann man sich doch nur verstecken.

Arm, oder nur ein 400€-Job, schon fast wie aussätzig.

Neben der Mode und Rumlaufen. Also z. B. sich nicht in eine Steppjacke zwängen lassen, weil man nicht aussehen möchte wie das Michelin-Männchen. Da sagen doch die anderen: Die laufen ja rum wie Schluffen Paul oder Schlörs Minna. Da geht die Welt aber auf Abstand.

Die Kinder nur auf der Haupt- oder Gesamtschule. Da denken die ersten daran, den Eltern den Erziehungsberechtigungsschein abzunehmen.

Genug der Beispiele. Nein, wir sind nicht von der Macht dieser Götter und Gesetze befreit, die bei Nichtbefolgen oder Nichtgenügen den Daumen senken.  

Und da sagt Paulus: Halt. So geht das nicht. Dieser Druck, das macht Euch kaputt. Und Gott, Christus macht euch und euer Leben heile. Tun und leisten müsst Ihr gar nichts. Braucht Euch seine Liebe nicht zu erwerben. Die ist schon da. Und noch einmal: Ich bin nicht gut oder wertvoll oder anerkannt, weil ich so viel bin und kann und leiste, sondern, weil Gott mich groß und stark macht. Und dazu noch sagt: „Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden.“Ohne mein Dazutun, auch ohne die Werke des Gesetzes. Der Götter und Gesetze, wie immer sie heute sind oder heißen.

Aber, und damit bin ich wieder am Anfang, Paulus gehört trotzdem nicht zur Gruppe der liberalen Gesetzesverweigerer oder sogar der – na ja – Anarchisten. Weil er zum einen weiß: Es gibt auch noch andere Gesetze und Gebote und Abmachungen. Nicht so wie gerade aufgezählt, sondern sinnvolle, menschliche und menschenfreundliche. Und weil er zudem weiß: Man muss nicht alles tun und machen, nur, weil man es gerade kann, oder weil es eben nicht verboten ist. Weil, wenn jeder macht, was er will oder kann, weil es bei so etwas eben nicht nur Genießer und Gewinner, sondern vor allem auch Verlierer und zu kurz Gekommene gibt. Siehe die Beispiele von vorhin. Darum noch mal: Man muss nicht alles tun und machen, nur, weil man es gerade kann, oder weil es eben nicht verboten ist.

Und deshalb zählt sich Paulus aus gutem Grund zur 3. Gruppe der „Rote-Ampel-Typen“, zu denen, die Rücksicht nehmen. Die Rücksicht auf die Kinder, auf die Kleinen und Schwachen nehmen. Denen die besondere Zuneigung und Fürsorge Gottes gilt. Wo seine, wo meine Freiheit ein Ende hat, damit andere keinen Schaden nehmen und geschützt bleiben.  

Das ist richtig verstandene Rechtfertigung.

Und mir und uns sollte das leicht fallen – weil wir angenommen sind und bleiben, und das allein ist wichtig und zählt.

So sei es. Oder auf Griechisch: Amen

2. Advent 2018 – Bad Westernkotten – Erwitte – Anröchte

2. Advent 2018 – Bad Westernkotten – Erwitte – Anröchte

Jesaja 35, 1-10.
1 Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.
2 Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und Freude. Die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht von Karmel und Scharon. Sie sehen die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht unsres Gottes.
3 Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!
4 Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.«
5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.
6 Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.
7 Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.
8 Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren.
9 Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.
10 Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.

Liebe Gemeinde,

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4. November 2018 – Erwitte und Anröchte

4. November 2018 – Erwitte und Anröchte

Apostelgeschichte 17, 22 ff

(22)Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.
(23)Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
(24)Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
(25)Auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.
(26)Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,
(27)damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
(28)Denn in ihm leben, weben und sind wir;
(34)Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Liebe Gemeinde,

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29./30.09. 2018 Bad Westernkotten – Erwitte – Anröchte

29./30.09. 2018 Bad Westernkotten – Erwitte – Anröchte

Markus 12, 28-34
Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, daß er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?
(29)Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,
(30)und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«
(31)Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« Es ist kein anderes Gebot größer als diese.
(32)Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm;
(33)und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
(34)Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Liebe Gemeinde!

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